Hindeloopen - Kiel: Tag 9
Oliver Hankeln
Borkum - Norderney: Endlich Segeln!
Seit gestern habe ich für ein paar Tage Peter, einen sehr guten Freund, an Bord. Auf Borkum habe ich mich mit meinem Bruder getroffen, der dort für ein paar Wochen arbeitet. Außerdem hat sich meine Deutschlandfahne im Wind verabschiedet. Deshalb haben wir uns auf die Suche gemacht und haben auch in einem Touri-Laden ein billiges Spielzeugexemplar gefunden, die wir mit zwei Klettbändern am Flaggenstock befestigt haben.
In der Regel steht, dass die eine “angemessene” Größe haben soll. Was angemessen ist, ist aber nicht definiert. Mein Nationalstolz lässt mir eine fehlende Flagge am Heck durchaus angemessen erscheinen, aber der Lappen ist nicht wichtig genug, um sich deshalb Ärger einzuhandeln.
Heute ging es dann nach Norderney. Und weil wir am dortigen Seegatt bei Hochwasser ankommen wollten, mussten wir früh los. Viel zu früh: um 3:30 klingelte der Wecker, weil wir bei erster Dämmerung starten wollten. Das war früher als nötig, aber wir hatten zumindest Zeit für einen Kaffee. Um 5:10 hieß es dann wirklich: “Leinen los!” und wir fuhren bei leichten Winden in die Morgendämmerung.
Anfangs waren wir nur unter Motor unterwegs, aber da der Wind allmählich auf drei Windstärken zugenommen hat, konnten wir die Segel setzten und zum ersten Mal dieses Jahr (die 10 Minuten auf dem Lauwersmeer zähle ich ich mal nicht) segeln.
Hier in den Häfenliegen überall die Flyer “Gefahr im Gatt” aus, und ohne eigene Erfahrung in den Seegatten nehmen wir die sehr ernst und wollten wirklich um Hochwasser ankommen. Deshalb haben wir dann auch den Motor zu Hilfe genommen, als der Wind wieder schwächer wurde und wir langsamer.
Vor der Befahrung des Seegatts Schluchter wird gewarnt, weswegen wir den Umweg über das Dovetief genommen haben. Zuerst fährt man gefühlt ewig an Norderney vorbei, bevor man einen Haken schlägt, dicht am Strand vorbei zurück und um die Inselspitze fährt.
Dort hatten wir schon deutlichen Gegenstrom von ca. zwei Knoten. Bei der Einfahrt in den Hafen musste ich dann auch massiv vorhalten - gefühlt zeigte der Bug 70° nach Steuerbord, damit ich eine stehende Peilung zur Einfahrt hatte. Bisher hatte ich davon nur gelesen, aber so eine starke Querströmung noch nicht erlebt. Geklappt hat es aber problemlos, auch wenn es sich spannend angefühlt hat.
Nach dem Anlegen waren wir aber ziemlich müde vom langen Tag und sind kurz zum Strand spaziert, haben den mehr oder minder lethargisch betrachtet und sind dann zurück zum Boot und früh ins Bett.
Am nächsten Tag wollten wir nach Helgoland fahren, was schon wieder ein frühes Aufstehen nötig machte.