Hindeloopen - Kiel: Tag 4
Oliver Hankeln
Tag 4: Dokkum Richtung Groningen
Auf dem Boot schlafe ich immer sehr gut, werde aber ziemlich früh wach. So ging es mir heute auch. Dann hab ich trotzdem ziemlich rumgetrödelt (ich hab ja Zeit) und bin erst kurz vor Mittag losgefahren. Das strahlende Wetter von gestern hat sich leider nicht gehalten - es war den ganzen Tag trüb und kalt. Aber es gab wenig Wind, was auf den Kanälen, wo ich sowieso nicht segle, angenehm ist.
Vorbei an vielen (ich zähle die schon gar nicht mehr) Klappbrücken kam ich dann an die Willen Lorésluis, meine zweite Einhandschleuse.Auch hier war ich allein und alles lief problemlos. Danach hat sich das Gefühl der Landschaft aber plötzlich gewandelt: vorher fuhr ich einen offensichtlich künstlichen Kanal entlang, jetzt fühle es sich wie ein Flussdelta an - viele kleine Inselchen, überall Wasservögel. Richtig schön! So ging es dann aufs Lauwersmeer. Genau wie das IJsselmeer ist auch das Lauwersmeer ein künstlich dem Meer abgerungenger See. Mit seinen vielen Buchten und Inseln ist das bestimmt ein tolles Segelrevier - auf der Karte sind aber viele Bereiche zu flach für die Windtänzer…
Ich habe kurz überlegt, ob ich an einer der Marekrite Bojen fest machen und dort die Nacht verbringen sollte - ich war aber erst 2,5h unterwegs und auch wenn ich für die Reise Zeit habe, will ich ein bisschen vorankommen. Deshalb habe ich am Südende des Meeres an einer Anlegestelle festgemacht, und mir Käsespätzle und Tee gemacht.
Hier auf dem Lauwersmeer verläuft auch die erste Landesgrenze, die ich bei meiner Reise überquere. Friesland liegt jetzt in meinem Kielwasser und ich bin in der Provinz Groningen.
Jetzt kam auch ein bisschen Wind auf, so dass ich sogar das Vorsegel gesetzt habe und kurz gesegelt bin. Leider machte mein Weg dann eine Biegung genau in den Wind und ich rollte das Vorsegel wieder weg und startete den Motor. Beim hantieren mit der Wickelleine habe ich dann auch geschafft, eine Winschkurbel über Bord zu werfen…
Ab ging es ins Reitdiep, das einen eigenwilligen Charakter hat: es sieht oft aus wie ein Fluss, ist aber befestigt und mit Tonnen markiert. Das Reitdiep war bis 1876 die einzige Direktverbindung zwischen Groningen und dem Meer.
Die Brücke Roodehaan habe ich um 18:30 passiert - die nächste Brücke hätte ich erst gegen 19:30 erreicht. Da die Brücken aber nur bis 19:00 bedient werden habe ich mir einen Anleger in der Nähe eines winzigen (90 Einwohner) Dorfes gesucht. Dort lagen schon zwei andere Boote - leider so ungünstig, dass ich keinen Platz mehr gefunden hätte. Glücklicherweise hat einer der beiden mich bemerkt und sein Boot ein paar Meter nach vorne gezogen und mir dann gleich beim Anlegen geholfen. Das war sehr praktisch - hier sind keine Poller, über die man die Leine werfen kann, sondern Ringe, durch die man die Leine fädeln muss - was ich von Bord aus natürlich nicht kann…
Morgen habe ich noch ca. 3h Fahrt nach Groningen vor mir - da dabei viele Brücken zu passieren sind, wird es aber vermutlich etwas länger dauern. Ich bin gespannt auf meine erste Großstadt!