Hindeloopen - Kiel: Tag 6
Oliver Hankeln
Tag 6: Groningen - Delfzijl
Heute Nacht habe ich nicht gut geschlafen. In Delfzijl muss ich durch die Schleuse zur Nordsee (Außenems). Normalerweise hat die Schleuse zwei Kammern: eine kleine für Sportboote und eine große für die Berufsschifffahrt. Jetzt ist leider die kleine Schleuse kaputt. Alleine in einer Schleusenkammer mit einem Frachter zu sein, ist gefährlich, weil mein Boot durch das Schraubenwasser des Großen außer Kontrolle geraten kann.
Irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen und habe mit einem mulmigen Gefühl im Bauch um 11:40 den Reitdiephaven verlassen. Die Hafenmeisterin hat mir zwar gesagt, dass ich warten soll, bis die Brückenwärter ihre Mittagspausen (12:15 - 12:45) beendet hätten, aber ich wollte um 18:30 durch die Schleuse sein, weil dann Niedrigwasser in Delfzijl wäre und ich deshalb beim Anlegen nicht mit Strömung kämpfen müsste. Ich wollte aber schon mal eine halbe Stunde hinter mir haben und die ersten Brücken hinter mich bringen.
Besonders von der Eisenbahnbrücke in Groningen habe ich Schlechtes gelesen: Leute hätten hier bis zu 1,5 Stunden warten müssen, ohne Möglichkeit, anzulegen. Meine Erfahrung ist eine Andere: ich kam um 12:05 an der Eisenbahnbrücke an. Nachdem ich kurz über Funk nachgefragt hatte, kam die Antwort, dass die Brücke in 5 Minuten öffnen würde. Und: auf der Südseite des Kanals kann man problemlos festmachen.
Die 5 Minuten wurden zwar 7, aber ich bin noch vor der Mittagspause durch die Eisenbahnbrücke und habe vor der nächsten Brücke festgemacht und mir ein kleines Mittagessen warm gemacht.
Die Fahrt durch Groningen hat Spaß gemacht: die Brückenwärter hatten mich immer schon auf dem Schirm und ich musste meistens gar nicht warten. An ein paar Brücken gleich am Anfang musste der Brückenwärter mit dem Fahrrad mich immer begleiten. Die haben ganz schön viel Aufwand betrieben für ein einzelnes Segelboot. Vielen Dank an alle Brückenwärter in Groningen!
Hier ein relativ langes (7 Minuten) Zeitraffervideo der Fahrt durch Groningen. In Wirklichkeit hat das ca. 45 Minuten gedauert.
Der Eemskanal war dann ziemlich langweilig: schnurgerade ging es durch langweilige Landschaft, nur unterbrochen von vier oder fünf Brücken (an einer musste ich 20 Minuten warten, die anderen öffneten fast sofort, als ich anfragte)
Kurz vor 18:00 kam ich - im Zeitplan - an der Seeschleuse in Groningen an. Bis da war ich schon deutlich optimistischer: mir sind am ganzen Tag vier Frachter entgegen gekommen, in meiner Richtung habe ich keinen einzigen gesehen.
Und so hatte ich Glück und konnte ganz alleine in der riesigen Schleuse 1,5m zum Meer hinunter fahren. Nach der Schleuse noch kurz nach backbord abbiegen und ich war um 18:27, 3 Minuten vor dem Zeitplan fest und musste zugeben: die ganzen Sorgen waren unnötig :-)!