Hindeloopen - Kiel: Tag 2
Oliver Hankeln
Tag 2: Von Sneek nach Leeuwarden
Kurz nach 10 Uhr geht es los, der zweite Tag liegt vor mir. Die Brücken sind schon wieder in Betrieb und ich fahre die Strecke durch Sneek, die wir schon vor zwei Jahren mit der Familie gefahren sind. Letztes Mal war Sneek voller Schiffe. Heute scheint es den Niederländern noch zu kalt zu sein. Wenn ich ehrlich bin: mir auch!
Aber eine alte Bekannte treffe ich doch: als wir vor zwei Jahren hier am Kanal lagen, kam ein Flusskreuzfahrtschiff an, gerade als wir aus dem Niedergang kamen. Der Kapitän grüßte uns freundlich, was wir erwiederten (und wir fanden es ziemlich lustig, dass er uns wie Kollegen behandelte :-) )
Kurz hinter Sneek kam mir wieder ein Kreuzfahrtschiff entgegen. Und ja: es war wieder die “Rheinprinzessin” - leider erinnerte sich der Kapitän nicht an unsere lange und tiefe Freundschaft und ignorierte mich…
KALT!!!
Das Thermometer zeigt zwar 6-7°C, aber mit dem Fahrtwind wird es nach ein paar Stunden wirklich richtig kalt! Ich trage zwei Jacken übereinander und wann immer es geht Handschuhe (leider kann ich mit denen mein Handy, das ich für die Navigation nutze, nicht bedienen) - trotzdem bin ich irgendwann so durchgefroren, dass ich an einem der Marekrite-Anlegeplätze fest mache und mir erst mal Rührei und einen warmen Tee koche. Ich wärme mich hier ca. eine Stunde auf, was ich dann später bereuen sollte.
Weiter geht es. Ich habe noch ein Thermounterhemd ins Ensemble eingefügt, trotzdem ist mir kalt. Schließlich komme ich nach Leeuwarden. Also: fast. Ich fahre südlich der Stadt vorbei, um dann in einem Bogen von Westen in die Stadt rein zu fahren. Doch soweit kommt es nicht. In Friesland werden ja überall ständig Brücken für Segler geöffnet. Diese hier macht aber während der Rush-Hour von 16:00 - 18:00 nur für den Berufsverkehr auf. Ich kam dort um 16:30 an. Ohne die Rühreipause wäre ich durchgekommen. Was soll’s - kann ich nicht ändern. Ich lege also am Wartesteg vor der Brücle an und lege mich ein bisschen hin. Um 17:50 habe ich mir einen Tee gekocht (habe ich erwähnt, dass mir kalt war?) und ging ins Cockpit, um mich in Ruhe startklar zu machen. Doch was war das? Der Segler, der hinter mir wartete hatte schon losgemacht und dir Brücke zeigte rot-grün, das Zeichen, dass die Öffnung vorbereitet wird und man sich fertig machen soll. In einiger Entfernung von hintern kam ein Frachter an, der für diese Öffnung verantwortlich war. Ich startete also den Motor und gab leicht Gas nach vorne und ging zum Bug, um die Bugleine zu entfernen. Vorne war ich schon los, hinten aber noch nicht, als der Frachter viel schneller als ich erwartet hatte, auch schon da war. Und mit hoher Geschwindigkeit fuhr er ziemlich knapp an mir vorbei und saugte mein Boot förmlich an. Der Bug, der ja schon frei war, schwenkte um 90° in den Kanal - viel hat nicht gefehlt, und ich wäre mit dem Frachter zusammengestossen.
Das war wirklich gefährlich! Zum Glück ist nichts passiert, außer dass mir ein gewaltiger Schrecken in den Gliedern saß. Für das nächste Mal merke ich mir: die Brücke öffnet auch später nochmal. Meine Idee, mich in aller Ruhe auf die Brückenöffnung vorzubereiten, war die Richtige. Mit der Hektik habe ich den Fehler gemacht, den Frachter nur kurz wahrzunehmen aber ihn nicht lange genug zu beobachten, um einschätzen zu können, wie viel Zeit noch bleibt.
Nach dem Schrecken folgte ich dem Fracher und dem Segler mit einigem Abstand - was mir nochmal eine Wartezeit von 20 Minuten an der Eisenbahnbrücke bescherte.
Schließlich ging es aber auch hier weiter und ich kam an die Slauerhoffbrug. Die sieht ganz anders aus, als die anderen Klappbrücken. Ein Stück Straße wird hier von Armen hoch nach oben gehoben. Das sieht ziemlich cool aus, dauert aber gefühlt auch deutlich länger als eine einfache Öffnung einer Klappbrücke.
Das Bild ist um 18:55 entstanden. Kurz danach kam dann schon die nächste Brücke - aber der Brückenwärter hatte um 19:00 Feierabend und ich konnte nicht weiter. So habe ich in einem wenig hübschen Gewerbegebiet zwischen lauter Berufsschiffen angelegt. Ich war mir nicht sicher, ob ich irgendwann in der Nacht vertrieben werden würde, aber niemand kam und so konnte ich mich ein bisschen von dem Schrecken, der mir immer noch in den Gliedern saß, erholen. Eigentlich stand mir der Sinn nach einem Schluck Rum, den habe ich aber sein lassen, weil ich nicht wusste, ob ich irgendwann mitten in der Nacht vertrieben werden würde. Glücklicherweise hat niemand meinen Schlaf gestört.
Tag 2,5
Am nächsten Morgen ging es um 9:00 weiter. Noch zwei Brücken und um 9:30 lag ich da, wo ich schon gestern liegen wollte: am Stadtpark Prinsentuin.
Für die nächsten Tage war schlechtes Wetter, teilweise mit Windstärken bis 7 angesagt, deshalb ergriff ich die Gelegenheit, nach Hause zu fahren und ein paar schöne Tage über Ostern mit der Familie zu verbringen.