Hindeloopen - Kiel: Tag 7
Oliver Hankeln
Tag 7: Delfzijl - Emden
Emden? Warum den Emden? Ich bin auf dem Weg nach Kiel, eigentlich wäre das Ziel für heute Borkum gewesen, und von da aus in den nächsten Tagen nach Osten zu den anderen ostfriesischen Inseln. Im Wattenmeer brauche ich natürlich aktuelle Seekarten. Als ich in Hindeloopen losgefahren bin und der dortige Bootsladen nur die Karten für die niederländische Wattenzee und natürlich das IJsselmeer hatte, dachte ich mir nicht viel dabei: da hier ja jeder Ort einen Bootsausstatter hat, würde sich bestimmt auf dem Weg an die niederländische Ostküste entsprechendes Kartenmaterial auftreiben lassen.
Zu meinem wachsenden Erstaunen gibt es aber weder in Leeuwarden, noch in Groningen (immerhin zwei Provinzhauptstädte) und auch nicht in Delfzijl noch Bootsaustatter. Deshalb lag ich also in Delfzijl und überlegte, was ich machen soll. Natürlich könnte ich Karten bestellen, die würden aber frühestens irgendwann kommende Woche ankommen. In Emden gibt es aber einen Laden, der Seekarten verkauft. Zuerst dachte ich, ich könnte ja die Fähre nehmen, aber wozu? - ich bin ja mit dem Boot unterwegs :-) …
Also bin ich kurz nach acht Uhr früh, mit dem Niedrigwasser aufgebrochen und die Ems nach oben Richtung Emden gefahren. Hier ist ganz schön viel Berufsschifffahrt und ich habe ziemlichen Respekt vor den Schiffen und versuche denen in großem Bogen aus dem Weg zu gehen. Deshalb fuhr ich knapp außerhalb des betonnten Fahrwassers nach Emden und dachte, dass mich dort die Berufsschiffer in Ruhe lassen würden. Doch plötzlich kam mir ein Tanker entgegen, der in der Kurve das Fahrwasser verlassen hatte und keine Anstalten machte, wieder darauf einzubiegen. Nach kurzem Überlegen wich ich dann ins Fahrwasser aus und wir kamen uns nicht in die Quere.
Was mich auch beeindruckt hat, war der Flutstrom: durchs Wasser machte ich 4,2 Knoten - über Grund ca. 7. So schnell bin ich sonst nie unterwegs. Ich freue mich schon darauf, etwas mehr im Wattenmeer mit den Gezeiten zu spielen.
Irgendwo zwischen Delfzijl und Emden muss ich wohl über die Grenze gefahren sein: die Niederlande liegen im Kielwasser!
In Emden habe ich dann sehr schnell die benötigten Karten bekommen und noch einen Strömungsatlas für die deutsche Bucht gekauft. Gegen 14:30 war Hochwasser, mit dem wollte ich dann nach Borkum fahren.
Im Yachthafen traf ich drei andere Segler und kam mit ihnen ins Gespräch. Zwei von ihnen meinten, dass sie heute nicht rausfahren würden und der dritte bereitete sich zwar darauf vor, nach Borkum zu fahren, aber wartete noch auf zwei Freunde, weil auch er bei “dem Wetter” nicht rausfahren würde.
“das Wetter” wirkte gar nicht so spektakulär: 3-4 Windstärken aus Nordwest waren angesagt. Heute war nicht die Windstärke das Problem, sondern die Richtung: um nach Borkum zu segeln würde ich mit dem Ebbstrom nach Nordwesten fahren - die Strömung der Ebbe und der Wind würden also genau gegeneinander stehen. Dass diese “Wind gegen Strom”-Situation dazu führt, dass sich die Wellen unangenehm auftürmen, habe ich gelesen - ich dachte aber, dass es dazu mehr Wind brauchen würde. Die Segler sagten mir, dass heute vermutlich 1,5m kurze, steile Welle bei Borkum sein würde. Deshalb beschloss ich, heute nicht nach Borkum zu fahren.
Für die nächsten Tage ist auch kein besseres Wetter in Sicht. Deshalb habe ich die Windtänzer in Emden gelassen und fahre für eine Woche nach Hause zur Familie.