Hindeloopen - Kiel: Tag 8
Oliver Hankeln
Tag 8: Emden - Borkum
“Das war aber eine kurze Fahrt!” begrüßt mich der Hafenmeister, als ich am Steg anlege - keine fünf Minuten nachdem er mich freundlich verabschiedet hat. Weit bin ich wirklich nicht gekommen. Gerade einmal die Steganlagen des Emdener Yachtclubs habe ich hinter mir gelassen, als sich von rechts ein riesiges Ungetüm ins Bild schiebt und die Hafeneinfahrt blockiert.
Die Siem Confucius wird von drei Schleppern an die Kaimauer bugsiert. Schön ist das Schiff wahrlich nicht, aber riesig: 200m lang, 38m breit. Platz für 7500 Autos (Car Equivalent Units) auf 13 Decks. Da ist kein Vorbeikommen und ich warte am Steg das Anlegemanöver ab. Nach einer halben Stunde ist der Spuk vorbei und die Schlepper fahren weg und ich neben der Confucius durch.
Ich fahre mit ablaufendem Wasser gen Borkum. Zu viel Wind im Tidenrevier würde mich unruhig machen, heute ist aber fast kein Wind - sogar die Hälfte der Windräder steht still.
Deshalb fahre ich unter Motor auf die Insel. Dabei stelle ich fest, wie beeindruckend der Tidestrom ist: mit 2400UpM fahre ich ca. 4,5 Knoten durchs Wasser. Heute bin ich mit bis zu 7,9 Knoten unterwegs. 3,4 Knoten durch die Ebbe geschenkt zu bekommen ist schon witzig! Nur verfahren sollte ich mich nicht. Gegen den Strom anzufahren wäre seeehr mühselig.
Der Weg nach Borkum führt bis zu einer kleinen Abzweigung, bei der “Fischerbalje” - einer auffälligen roten Tonne auf Stelzen und einer kleinern grünen Tonne davor. Meine Augen versuchen mir die ganze Zeit zu sagen, dass die Fischerbalje viel näher als die grüne Tonne wäre - erst kurz bevor ich da bin, wird klar, dass sich alles so verhält, wie die Seekarte es beschreibt. Entfernungen auf dem Wasser zu schätzen ist wirklich schwer!
Auf Borkum gibt es zwei Häfen: den “Port Henry” und den “Burkanahafen”. Port Henry fällt teilweise trocken. Das wäre mir zum einen im Moment noch zu viel Abenteuer und da ich kurz vor Niedrigwasser ankomme, wäre ich vermutlich sowieso nicht an den Steg gekommen. Also laufe ich den Burkanahafen an und beim Anlegen hilft mir ein Stegnachbar.
Heute Abend treffe ich mich dann mit meinen Bruder, der für ein paar Wochen auf der Insel arbeitet und in ein paar Tagen kommt ein guter Freund, der mich für eine knappe Woche begleitet.
Jetzt aber erstmal: Die erste Insel der Reise erkunden!