Tag 12: Büsum - Tönning: Auf in die Eider
Oliver Hankeln
Peter hat hier in Büsum den Heimweg per Bahn angetreten, so dass ich wieder einhand unterwegs bin. Meine nächste Etappe ist die Eider, die mich zum Nord-Ostsee-Kanal bringen soll. Der erste Ort, den ich anlaufen will ist Tönning. Von Büsum nach Tönning ist es eigentlich gar nicht so weit - wenn ich nicht im Wattenmeer unterwegs wäre…
So aber muss ich einmal aus dem flachen Bereich herausfahren - das mache ich mit ablaufendem Wasser, damit mich die Strömung anschiebt. Und dann will ich wieder rein, diesmal in die Eider - jetzt mit steigendem Wasser.
Also ist, wie scheinbar immer im Wattenmeer, früh aufstehen angesagt. Der Wecker klingelt also um 5:30 und um 6:15 fahre ich los. Und ich habe richtig gerechnet: der Ebbstrom schiebt mich an. Und wie! Zwischendurch stehen 8,1 Knoten auf dem GPS, während der Motor nur 4,5 Knoten Geschwindigkeit beisteuert.
Das macht Spaß, fängt aber auch an, mir ein bisschen Sorgen zu machen: ich möchte aus dem Wattfahrwasser nach Norden in die “Norderpiep” abzweigen. Tief genug ist es - aber nur an einer schmalen Stelle. Deshalb überlege ich schon, ob ich vielleicht den Umweg über die Süderpiep nehmen soll, die nicht zu verfehlen wäre. Ich entscheide mich dann aber dafür, vorsichtig auf die Durchfahrt zu zu halten und, sollte ich merken, dass die Querstömung zu stark ist, abzudrehen.
Und was ich gehofft habe, tritt auch ein: als ich an den Rand des Fahrwassers komme, lässt die Stömung deutlich nach und bei der Durchfahrt zur Norderpiep ist sie fast gar nicht zu spüren, so dass es überhaupt kein Problem ist, die Lücke zu treffen.
Ich folge also der Norderpiep bis ich aus dem flachen Bereich heraus bin und fahre dann nach Norden auf die Ansteuerungstonne “Eider” zu. Der Wind frischt ein bisschen auf und ich kann die Segel setzen (was ich mich in den engen Fahrwassern im Watt nicht traue).
Die Ansteuerungstonne erreiche ich dann auch zu früh - was ich so einkalkuliert habe und ich lasse mich da eine halbe Stunde treiben, bevor ich mich durchs Watt auf das Eidersperrwerk zu schlängle. Das fühlt sich irgendwie albern an: überall ist Wasser und man fährt Kurven, die an der Oberfläche betrachtet völlig willkürlich erscheinen, aber ich will ja die sprichwörtliche Handbreit Wasser unterm Kiel haben und folge deshalb den Tonnen.
Das Eidersperrwerk ist unkompliziert zu befahren - eine Schleuse wie die anderen auch - aber wirklich riesig: mit zugehörigem Deich fast 5km lang schützt es die Küste vor Überflutungen. Meist aber lässt es Ebbe und Flut passieren.
Zwischen der Ansteuertonne und dem Sperrwerk ist man auf der Außeneider, ab dem Sperrwerk auf der Tideeider: eigentlich ein Fluss, aber trotzdem den Gezeiten unterworfen. Und als ich dort entlang fahre wirkt es auch mehr wie das Wattenmeer - nur dass in alle Richtungen Land zu sehen ist, als wie ein Fluss.
Sogar Seehunde machen es sich dort gemütlich (leider ist das Bild unscharf).
Den Hafen von Tönning erreiche ich gegen 15 Uhr und damit zwei Stunden vor Hochwasser. Eigentlich hätte mich der Flutstrom die ganze Zeit schieben müssen, was ich aber nicht bemerkt habe. Später wird mir auch klar, warum: Das Sperrwerk lässt meistens Ebbe und Flut passieren. Just an dem Tag aber, haben sie ein Niedrigwasser ausfallen lassen und ohne steigendes Wasser gibt es auch keinen Flutstrom.
Jetzt liege ich hier in Tönning im Hafen, der bei Niedrigwasser fast trockenfällt. Ich bin gespannt, wie das klappt (die Literatur sagt: problemlos), wenn die Windtänzer im Schlamm steckt.
Dieser Post ist Teil der Serie "hindeloopen-kiel"
- Tag 1: Von Hindeloopen nach Sneek: Aufbruch! (16 sm)
- Tag 2: Von Sneek nach Leeuwarden: Adrenalin! (20.9 sm)
- Tag 3: Von Leeuwarden nach Dokkum: Bilderbuchfriesland (11.7 sm)
- Tag 4: Dokkum Richtung Groningen: Auf ins Idyll! (22.7 sm)
- Tag 5: Schouwerzijl - Groningen: Wenn´s mal wieder länger dauert... (7.7 sm)
- Tag 6: Groningen - Delfzijl: Die Horrorschleuse (18.7 sm)
- Tag 7: Delfzijl - Emden: Auf der Suche nach der Schatzkarte (10.2 sm)
- Tag 8: Emden - Borkum: Auf zu den Inseln! (26 sm)
- Tag 9: Borkum - Norderney: Endlich Segeln! (41 sm)
- Tag 10: Norderney - Helgoland: Die Hochseeinsel (46 sm)
- Tag 11. Helgoland - Büsum: ... (36 sm)
- Part 12: Dieser Artikel (41 sm)
- Tag 13: Tönning - Süderstapel: Wettlauf mit der Zeit (21 sm)
- Tag 14: Süderstapel - Gieselauschleuse: Wanderfluss (21 sm)
- Tag 15: Gieselauschleuse - Kiel: Angekommen! (34 sm)